
Migration und Vatikan schon lange Thema
Bürgerinitiative für Burgholzhof-Treff und kulturelles Engagement geehrt
(Thomas Müller-Enßlin)
Am diesjährigen Maiempfang am 9. Mai 2025 der SPD Bad Cannstatt wurde die Bürgerinitiative Burgholzhof für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Marcel Schlatterer würdigte in seiner Laudatio die Bürgerinitiative für ihren Einsatz im Stadtbezirk Burgholzhof zahlreiche Themengebiete betreffend: Darunter fallen Vorschläge an die Stadtverwaltung zur Verhinderung von Staus am Albert-Luthuli-Platz unterhalb des Robert-Bosch-Krankenhauskrankenhaus sowie die Verkehrsberuhigung / Erhöhung der Verkehrssicherheit in der Auerbachstraße/Roter Stich. Dabei wurde auch auf einen SPD-Bezirksbeiratsantrag vom Mai 2019 in der Auerbachstraße an der Haltestelle Burgholzhof mit sog. „Berliner Kissen“ eingegangen, welcher der Fraktionsvorsitzende des Bezirksbeirats in seiner Laudatio beispielhaft als Vorschlag zur Sicherung beim Überqueren der Zebrastreifen nannte und bis heute seitens der Stadtverwaltung ohne Antwort blieb.
Weitere Aktivitäten der Bürgerinitiative Burgholzhof sind der 14-tätige Burgholzhof-Treff, Aufführungen des Theaters „Tredeschin“ und die Kulturwanderungen wie zuletzt nach Sindelfingen zum Schauwerk, so Schlatterer.
Auch die Salongespräche mit spannenden Lebensgeschichten Cannstatter Bürger, das Repair-Café und Seniorennachmittage zählte Frau Marlies Beitz von der Bürgerinitiative zum Angebot. Nun aber sorgt sich die Bürgerinitiative um ihren Tagungsort, das Ökumenische Zentrum Burgholzhof: Die Kirche wolle die Immobilie verkaufen. „Die Stadt Stuttgart“, wünschen sich die Herr Arafaine Mengestu und Ralf Armbruster vom Team der Bürgerinitiative, „muss die Immobilie ankaufen“. Darüber hinaus lud er alle Bürger zum Aussichtsturm am Burgholzhof ein, den die Initiative am 3. Oktober bewirtet.
Dietmar Schulz, Vorstand des OV Bad Cannstatt, betonte, wie wichtig die Teilhabe an einer gesunden demokratischen Gesellschaft sei. Die SPD-Mitglieder sollten von ihren Aktivitäten berichten. So lud er zur „Cannstatter Putzete“ im Juli ein.
Die in Bad Cannstatt geborene Katrin Steinhülb-Joos (MdL) hob in Ihrem Grußwort hervor, dass in Zeiten rauheren Umgangstons das Engagement in der Zivilgesellschaft immer wichtiger werde. Das Ehrenamt und die Vereinsarbeit, so Steinhülb-Joos weiter, schaffe Raum für das kulturelle Miteinander und ermögliche den Bürgerinnen und Bürgern die Identifikation mit dem Gemeinwesen.“ Sie lud zur Demonstration „Let’s Go Democracy2" am 23.05.25 an den Österreichischen Platz ein.

Der Fraktionsvorsitzende SPD/Volt, Stefan Conzelmann, berichtete aus dem Stuttgarter Gemeinderat von bevorstehenden Kürzungen für das Ehrenamt und für die Vereine. Das Land Baden-Württemberg habe hohe Schulden bei der Stadt Stuttgart, die es endlich einzufordern gelte, so Conzelmann.
Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Stefan Betsch zum Thema „Industrialisierung in Bad Cannstatt“:

„Das Thema Migration und Vatikan gibt es bei uns schon seit über 100 Jahren“, erläuterte der freiberufliche Stadtführer. Der Cannstatter „Vatikan“ sei 1905/06 aus einem genossenschaftlichen Bauprojekt entstanden. Viele italienischstämmige Mitbürger katholischen Glaubens hätten das Gebiet samt Straßen in Eigenbau selbst erstellt und dann die Wohnsiedlung, zwischen Kienbachstraße und Oberschlesischer Straße, mit großem Innenhof, Spielplatz und Gemüsegärten, für die Selbstversorgung, bewohnt.
Um den Beginn unserer Zeitrechnung habe es mit dem Römerkastell auf der Altenburg bereits eine römisch-keltische Siedlung gegeben, in der Töpferwaren zum täglichen Gebrauch seriell hergestellt wurden, so Betsch und weiter: 1730 wurde am Cannstatter Mühlkanal der größte zollfreie Hafen Württembergs errichtet, der ein Freihandelsabkommen mit Bayern schloss. Das Cannstatter Mineralwasser wurde für den Betrieb einer Ölmühle beim heutigen Kursaal verwendet.
Der erste Bahnhof Württembergs wurde 1845 in Bad Cannstatt gebaut. 1897 stellte die erste Cannstatter Fabrik um auf elektrisches Licht. Der Sohn Gottlieb Daimlers, Paul, fuhr 1885 den „Reitwagen“, das erste motorisierte Fahrzeug, eine Art Motorrad, von Bad Cannstatt nach Untertürkheim. Um 1900 verkehrten Linienflüge vom Flugplatz am Cannstatter Wasen. Berühmte Cannstatter Firmen wie Ahoi Friedel Brause, Ritter Sport, Stiel Kettensägen, Kärcher, Fortuna, SKF, Witzemann und die Dampfbackofenfabrik Werner & Pfleiderer mit Niederlassungen in den USA, Moskau und London, berichtete Betsch, seien weggezogen oder sie gebe es nicht mehr.
Musikalisch abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Jazz-Combo Gregor Walbach am Piano, Ravel Kreklow am Contrabass und Erik Salfed am Schlagzeug, welche den mit 70 Teilnehmern gut besuchten Maiempfang bei Maultaschen, Kartoffelsalat und Freigetränken zum Erfolg verhalfen. Eine kulinarische Überraschung war noch das optionale Angebot einer exotischen Vorspeise mit gegrillten Insekten wie Heuschrecken und selbstgemachten Frühlingsrollen mit Heimchen, welche sehr gut angenommen wurde.

Im Bild: Frau Waraphorn Bullmer präsentiert essbare Insekten. Weitere Informationen gerne unter insectfoodaroi@gmail.com.
Wir danken allen Teilnehmern für diesen schönen geselligen Abend.
(Text: Thomas Müller-Enßlin
Redigation & Bilder: Marcel Schlatterer
Gruppenbild Geschenküberreichung: Claudia von Mannteufel)