Steffen Schaffner (SPD Stuttgart-Ost) über die Situation von Homosexuellen
Steffen Schaffner (SPD Stuttgart-Ost) über die Situation von Homosexuellen
200 000 Besucher konnte der Christopher Street Day in Stuttgart in diesem Jahr verbuchen. "So lange wir keine hundertprozentige Gleichstellung haben, benötigen wir die Parade",meint Steffen Schaffner, Landessprecher der Schwusos Baden-Württemberg.
Coming-Outs von Homosexuellen sind nach wie vor wichtig und erleichtern Jugendlichen den Weg in die eigene sexuelle Identität, so der junge Sozialdemokrat. Die Gleichstellung von Homosexuellen sei kein Luxusthema, wenn es wirtschaftlich bergab geht. In Zeiten der Wirtschaftskrise sind es beim Stellenabbau die Homosexuellen, die im Ernstfall vor dem verheirateten Familienvater den Hut nehmen müssen, meint Steffen Schaffner.
Zu den aktuellen Forderungen der Schwusos Baden-Württemberg (Lesben und Schwule in der SPD) gehört die Ergänzung des Artikels 3, Absatz 3 im Grundgesetz, wonach niemand aufgrund seiner sexuellen Identität benachteiligt werden darf. Außerdem sollen zwischen gleichgeschlechtlichen und nichtgleichgeschlechtlichen Ehen juristisch keine Unterschiede mehr bestehen. So soll beispielsweise der Hinterbliebenenschutz bei Beamtenpensionen auch für Homosexuelle gelten. Homosexuelle Paare erhalten darüber hinaus das Adoptionsrecht, wünscht sich der Landessprecher der Schwusos Baden-Württemberg.
Heiratswillige Schwule und Lesben sollen künftig auf den Standesämtern in Baden-Württemberg keine höheren Gebühren mehr bezahlen als Heterosexuelle, erklärt Steffen Schaffner, der darum die Abschaffung der Länderöffnungsklausel fordert.
200.000 Menschen säumten während der Stuttgarter CSD-Parade am 1. August die Strecke von der Marienstraße bis zum Karlsplatz. "So viele Menschen schafft nicht mal der Weihnachtsmarkt", so Steffen Schaffner. Umso bedauerlicher empfand der Landessprecher der Schwusos das Fehlen von Oberbürgermeister Schuster. Zwar ließ dieser ein Grußwort verfassen, doch persönlich sei er weder beim Rathausempfang noch auf der Gala erschienen, so der 25-jährige CSD-Mitorganisator.
Die Party-Laune ließ man sich auf dem SPD-Wagen, der eigens für die Parade von Berlin nach Stuttgart kam, aber nicht verderben. Mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Ute Kumpf und der neu angetretenen SPD-Stadträtin Judith Vowinkel wurden schwarze Lakritz-Schnecken ins Publikum geworfen und zu House, Dance und Techno abgetanzt. "Weg mit den schwarzen Schnecken, Gleichstellung nur mit uns", lautete der Slogan, der auf eine zögerlichere Gleichstellungspolitik der CDU anspielte.
"Die Stadt sollte den CSD verstärkt unterstützen, sei es finanziell oder auch im Vorfeld durch mehr Werbung", wünscht sich Steffen Schaffner fürs nächste Jahr. Immerhin gab es bunte Regenbogenfahnen am Stuttgarter Rathaus. Bedauerlicherweise stoßen Homosexuelle, vor allem Schwule, unter jugendlichen Migranten auf Ablehnung, meint Steffen Schaffner. Auf Schulhöfen grassiere das Wort schwul als Schimpfwort. Umso wichtiger sei darum auch heute noch das Coming-Out. "Die Selbstmordrate von homosexuellen Jugendlichen ist im Vergleich zu den Heteros vier Mal so hoch.
Wenn ein Prominenter, ob Politiker oder Fußballspieler, sich zu seiner Homosexualität bekennt, hat das positive Folgen. Das Coming-Out erleichtert homosexuellen Jugendlichen den Weg", erklärt der Landessprecher der Schwusos Baden-Württemberg.
Melanie Axter
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