Dr. Michael Jantzer, neuer SPD-Stadtrat aus Obertürkheim

Veröffentlicht am 08.02.2022 in Allgemein

Frage: Herr Jantzer, als bisheriger Bezirksbeirat in Obertürkheim rücken Sie in den Stuttgarter Gemeinderat für eine Kollegin nach, die aus Stuttgart wegzieht, und werden nun selbst Stadtrat. Da ist die Freude doch sicher groß, oder?

Antwort: Die Freude ist sehr groß. Mein bisheriges kommunalpolitisches Engagement kann ich jetzt über unseren Stadtteil hinaus erweitern. Und meine lange Erfahrung im Bezirksbeirat und in der SPD Stuttgart geben mir ja auch ein gewisses Rüstzeug mit für die neue Tätigkeit. In Obertürkheim konnten wir den CAP-Markt langfristig sichern und ein neues Stadtteilzentrum erkämpfen. Jetzt kann ich mich für die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben im gesamten Stadtgebiet einsetzen. Oder denken Sie an die Schaffung von lebenswerten Stadtquartieren und Wohnraum! In Obertürkheim wird direkt am Bahnhof ein neuer Wohnkomplex (ca. 120 Wohnungen) gebaut.  Jetzt kann ich als neuer Stadtrat und Mitglied im Preisgericht die Gestaltung aktiv mitentscheiden und mich auch für den gewünschten Steg rüber zum Sportgelände einsetzen. Auch die Stärkung des ÖPNV und des Fußverkehrs kann ich nun als Stadtrat besser voranbringen. Da fällt mir sofort die Verlängerung der O-Buslinie von Ober- nach Untertürkheim ein oder den im Obertürkheim und Esslingen gewünschten Kleinbusverkehr von Rüdern nach Uhlbach.

Frage: Sie werden Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen als Sprecher der SPD-Fraktion und im Ausschuss für Klima und Umwelt sowie im Kulturausschuss sein?

Antwort: Ich bin sehr erleichtert über den Beschluss des Gemeinderats zum neuen Klimaneutralitätsziel im Jahr 2035. Hier möchte ich aktiv den notwendigen Fahrplan mitgestalten und fühle mich als Sprecher des AK Energiewende im BUND Stuttgart gut gerüstet. Klimaschutz, Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit müssen auch in unserer Stadt gemeinsam gedacht werden. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss die Stadt ihre Hausaufgaben machen und stärker in die Infrastruktur investieren. Ich denke hier an die Strom- und Wärmenetze im Stadtgebiet, an die energetische Sanierung der städtischen Liegenschaften aber auch an die regenerative Energieerzeugung im Stadtgebiet. Gute Ideen für‘s Klima sind wichtig, aber werden nicht ausreichen. In diesem Jahr müssen wichtige, auch finanzpolitische Entscheidungen für eine klimaneutrale Zukunft getroffen werden, da geht es um die Umsetzung.

Als Sozialdemokrat weiß ich, dass die Klimawende nur dann akzeptiert sein wird und wirken kann, wenn sie sozial gerecht gestaltet ist. Dafür werde ich mich besonders einsetzen.

Frage: Wird das nicht auch für die Menschen in den Oberen Neckarvororten sehr herausfordernd sein?

Antwort: Ja, ganz sicher. Bis 2040 will das Land klimaneutral sein. Die fossile Verbrennung im Stadtgebiet muss spätestens zu diesem Zeitpunkt bis auf wenige Ausnahmen enden. Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass möglichst viele Häuser einen Anschluss an eine klimaneutrale Fern- oder Nahwärmeversorgung bekommen. Konkrete Planungen laufen in diesem Jahr in Obertürkheim an. Auslöser war eine Initiative der SPD hier vor Ort. Ähnliches muss auch in Hedelfingen, Wangen und Untertürkheim in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden.

Frage: Dann werden Sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit als Stadtrat also auf Klimafragen setzen.

Antwort: Die Klimapolitik liegt mir sehr am Herzen, aber die Kultur in unserem Gemeinwesen ist auch sehr wichtig: Ich möchte mich darum kümmern, dass mehr kulturelle Ereignisse und Veranstaltungen in den äußeren Stadtteilen stattfinden. Die Kulturpolitik ist mir zu stark auf die Innenstadt ausgerichtet. Aber auch das Lindenmuseum steht vor großen Veränderungen. Es braucht zunächst Klarheit hinsichtlich des zukünftigen Standortes. Das Theaterhaus steht vor großen Herausforderungen. Und so könnte ich noch weitere spannende Themen in den nächsten Jahren benennen.

Frage: Der Gemeinderat ist ein Gremium, in dem unterschiedliche politische Vorstellungen aufeinanderprallen. Wo sehen Sie als SPD-Stadtrat die größten Reibungspunkte mit anderen Fraktionen?

Antwort: In der Wohnungspolitik, insbesondere beim Bauen neuer Wohnungen. Hier ist es der SPD in den vergangenen Jahren nicht gelungen, Mehrheiten für den notwendigen Wohnungsbau zu finden. Dies gilt auch für viele Landkreise im Stuttgarter Großraum. Im Ergebnis hat Stuttgart die höchsten Mieten und der Erwerb von Wohneigentum lässt sich nur mit einem sehr dicken Geldbeutel oder der Unterstützung von Eltern oder Großeltern stemmen. Von gleichen Chancen kann man da schon lange nicht mehr sprechen.

Frage: Sie steigen in den Gemeinderat im Alter von 63 Jahren ein – eher ungewöhnlich. Warum glauben Sie das Gremium bereichern zu können?

Antwort: Ich kann große berufliche Erfahrung als Diplomingenieur und Führungskraft in einem internationalen Technologiekonzern einbringen. Solche Erfahrungen und Perspektiven sind im Gemeinderat weniger vertreten, obwohl in Stuttgart so viele Großunternehmen ihren Sitz haben. Die Digitalisierung und der technologische Wandel sind mir vertraute Themen, die auch für eine moderne Organisation der Stadtverwaltung große Chancen mit sich bringen. Außerdem konnte ich mir in meinem Berufsleben viel Erfahrung im Veränderungsmanagement aneignen. Das kann sicher nicht schaden, wenn wir so eine wichtige und tiefgreifende Veränderung hin zu einem klimaneutralen Stuttgart vor uns haben. Hierzu kann ich meinen Beitrag leisten, und ich freue mich darauf auch für meine beiden Enkel die Zukunft der Stadt mitgestalten zu dürfen.

 

 

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