
Zum Bundesverdienstkreuz kommt die Ehrenmünze der Stadt Stuttgart hinzu: Walter Höh hat sich für vieles im Stuttgarter Osten eingesetzt.

Zum Bundesverdienstkreuz kommt die Ehrenmünze der Stadt Stuttgart hinzu: Walter Höh hat sich für vieles im Stuttgarter Osten eingesetzt.
Artikel aus dem Stuttgarter Wochenblatt vom 14.02.2008
OSTHEIM - Stattliche 92 Jahre alt ist Walter Höh, der am 10. Juli 1915 in Stuttgart zur Welt kam. Nicht nur das Bundesverdienstkreuz hat er erhalten, nun kommt auch noch die Ehrenmünze der Stadt Stuttgart hinzu. Von 1969 bis 1983 war er ehrenamtlicher Bezirksvorsteher im Stuttgarter Osten. Zuvor war er fünf Jahre lang Mitglied im SPD-Bezirksbeirat. Der gelernte Werkzeugmacher-Meister war beruflich lange Zeit als Referent für das Gewerbeaufsichtsamt Stuttgart tätig und veröffentlichte in diesem Zusammenhang mehrere Bücher zum Thema "Sicherheit im Fernverkehr".
Auch gewerkschaftlich war der Sozialdemokrat als Personalratsvorsitzender in der IG Metall engagiert. Während seiner Zeit als ehrenamtlicher Bezirksvorsteher war er maßgeblich am Ausbau der Infrastruktur im Stuttgarter Osten beteiligt. Viele Fotografien, die seine Frau Charlotte Höh während des Gesprächs mit der STW-Redaktion zeigt, beziehen sich auf den Ausbau der Ostendstraße. Wenn Walter Höh davon erzählt, wird er - der sich ansonsten recht bescheiden und zurückhaltend gibt - ganz lebhaft. "Als die SSB neu bauen wollte, konnte ich damals vieles mit denen ausmachen.
Die Straßenbahn hat a bissle auf mich gehört", freut sich Walter Höh auch heute noch. Ganz wichtig war ihm zum Beispiel, dass genügend Parkplätze im Stadtteil geschaffen wurden. So war er damals anstatt für die zunächst geplante einstöckige für eine dreistöckige Tiefgarage, von der auch heute noch die Anwohner und Besucher profitieren. "Dass ein so großer Stadtbezirk wie der Stuttgarter Osten eine Begegnungsstätte bekommt, darauf habe ich ganz großen Wert gelegt", so Walter Höh.
Heutzutage sind das Angebot und die Betreuungsdienste der Arbeiterwohlfahrt in der Begegnungsstätte am Ostendplatz zur Selbstverständlichkeit geworden. Darüber hinaus hatte er die SSB gebeten, Arztpraxen und einen Supermarkt in den Neubau an der Ostendstraße aufzunehmen. Seine Vorschläge wurden berücksichtigt. Jeden Samstag findet am Ende der Jakob-Holzinger-Gasse der Markt statt.
Auch dies ist der Beharrlichkeit von Walter Höh zu verdanken, der sich für einen eigenen Markt im Stuttgarter Osten stark gemacht hatte. Seine Tochter Doris Höh kann sich noch gut an die Willenskraft ihres Vaters erinnern. "Wenn er von etwas überzeugt war, hat er versucht, das durchzusetzen", meint sie. "Klares logisches Denken und den Kampfgeist, etwas durchzusetzen", das hätten ihr Bruder und sie von ihrem Vater übernommen, meint die FDP-Bezirksbeirätin. Besonders aber schätzt sie die Toleranz und den Gerechtigkeitssinn ihres Vaters. "Wir wurden sehr liberal erzogen. Unsere Einstellungen wurden akzeptiert. In politischer Hinsicht hat mein Vater mich nie versucht zu beeinflussen", erzählt Doris Höh.
Das Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und Bezirksbeirat charakterisiert Walter Höh in kurzen Worten. In früheren Zeiten sei die Stadtverwaltung mehr vor Ort und öfters während der Bezirksbeiratssitzungen anwesend gewesen, meint er. "Die Bezirksbeiräte sind mehr unterrichtet worden", sagt er.
Als zum Beispiel das erste Teck-Platz-Fest auf seine Initiative hin stattfand, kam Oberbürgermeister Rommel auf einen Besuch vorbei und nahm sich Zeit für ein Gespräch mit seinem Bezirksvorsteher aus dem Stuttgarter Osten. Wer denkt heute eigentlich noch daran, dass das Zelt bei den Berger Sprudlern eine Idee von Walter Höh war? Oder dass die Baumalleen in der Wagenburgstraße und in der Ostendstraße ohne seinen Einsatz gar nicht mehr stünden? "Städteplanerisch war mein Vater seiner Zeit voraus", meint Doris Höh.
Auch die Anbindung des Buslinienverkehrs zum Buchwald haben die Einwohner des Stadtbezirks dem ehemaligen SPD-Bezirksvorsteher zu verdanken. Während seiner Amtszeit wurden die Berger Schule mit Schwimmbad und die Fuchsrainschule gebaut. Die Lebensbedingungen von Familien lagen Walter Höh besonders am Herzen.
Auch darum wurden Plätze wie zum Beispiel der Lukasplatz angelegt, wo Kinder ungestört spielen können und Bänke zum Verweilen einladen. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass der Jünglingsbrunnen am heutigen Eduard-Pfeiffer-Platz und der alte Pumpbrunnen am Ostendplatz wieder instand gesetzt wurden und ließ die untere Parkanlage der Villa Berg in Richtung Berg neu bepflanzen.
Dass es damals recht persönlich zugegangen sei, das bestätigen die Ehefrau Charlotte wie auch Tochter Doris. "Wir sind sonntags an den Straßen vorbeigefahren, um nach allem zu schauen", erinnert sich Charlotte Höh. Viele Abende verbrachte das Ehepaar bei den 23 Vereinen im Stuttgarter Osten. Und Tochter Doris weiß noch: "Ständig riefen Leute an oder haben an der Tür geklingelt. Mein Vater war immer ansprechbar für alle".
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